Internationaler Christlicher Friedensdienst

Ich habe jetzt schon eine halbe Ausbildung zum Chefkoch!

Adrian Clement schreibt über den Tagesablauf in der Arche Brüssel, vom Kochen, Aufräumen und Ausflügen (Juni 2008)

 

Jetzt ist es wieder so weit! Mein 2. Rundbrief aus dem verregneten Brüssel steht an!

 

Im 1. Rundschreiben habe ich euch ja schon die Bewohner meiner Lebensgemeinschaft vorgestellt (Anne, Vianney, Daniel, Veronique, Christine und die Assistenten: Sonia, Colette, Piotr, Valentina, Sigita).  Jetzt ist zu unserem Team noch ein Tadschikistaner (Umed) gestoßen, der aber leider nur 3 Monate bleibt.

 

Nun mal mehr über das Leben und den Tagesablauf in einer Archegemeinschaft!  Der Tag beginnt damit, dass unsere Schützlinge um 7 einer nach dem anderen aufgeweckt werden. Manchmal kommt dann die Forderung „Encore cinq minutes!“ (Noch fünf Minuten!). Sich waschen und anziehen können sie fast alle allein. Nur unsere beiden Senioren Vianney und Anne leisten sich eine Krankenschwester.  Vianney ist schon immer den ganzen Morgen himmelhoch jauchzend erfreut, wenn das wöchentliche Bad mit ihr ansteht.  Nach dem gemeinsamen Frühstück werden Christine, Vero und Daniel um 9 zu ihrer Arbeit mit einem Kleinbus abgeholt worden. Jeder von ihnen geht in eine andere Werkstatt, wo sie singen, zeichnen, Garten- und Küchenarbeiten machen, aber auch eigene Kerzen gießen, Mosaikuntersetzer, Schmuck und Stickarbeiten anfertigen können.

 

Nachdem die 3 das Haus verlassen haben, kommt nun Vianney, noch ganz schlaftrunken, zum Frühstückstisch geschlurft. Anne, in ihrem Morgenmantel, begrüßt hingegen erst einmal jeden Einzelnen und fragt mit besorgtem Blick: „C´est toi, qui m´a reveillé?“ (Hast DU mich aufgeweckt?) …nur um sicher zu sein.

 

Nachdem auch sie für den neuen Tag gestärkt sind, setzt Vianney sich an seinen kleinen Tisch und schnippelt schon mal die Beine hübscher Damen aus.  Anne zieht es dagegen vor in ihrem Lieblingssessel Musik zu hören.

 

Während die beiden beschäftigt sind kümmern wir Assistenten uns derweil um die Wäsche, kochen Mittagessen, putzen oder reparieren so dies und jenes.  Um zwölf fahre ich sie dann ins „Grain“, die Werkstatt, mit welcher wir am meisten Kontakt haben. 

 

Wenn dann alle Schützlinge aus dem Haus sind, beginnt unsere dreistündige Freizeit, welche ich zum Joggen, Hausaufgabenerledigen, und dergleichen nutze.  Nach dieser kurzen Erholungsphase trudeln dann um 4 alle wieder ein.  Jetzt wird wieder erstmal gegessen: „goûter“ (Kaffeetrinken) steht jetzt an.  Meistens sind zu dieser Zeit alle so kaputt, dass sie keine Lust mehr haben noch einen Spaziergang o.ä. zu machen, sondern sich nur noch ausruhen wollen.  Aber es gibt auch schon wieder genug zu tun, wenn das Vorbereiten des Abendbrotes ansteht: ein Schützling deckt den Tisch, während ein Assistent mit Hilfe eines anderen das Essen kocht.  Es wurde zwar schon in der Werkstatt warm gegessen, aber in unserem Foyer sind 2 warme Mahlzeiten am Tag einfach Sitte.  Also nutzt man gleich die Chance um alle möglichen asiatischen, mexikanischen oder vegetarischen Rezepte auszuprobieren. Ich hab jetzt schon eine halbe Ausbildung zum Chefkoch!

 

Das Abendbrot nimmt einen besonderen Stellenwert in unserem Tagesablauf ein.  Bevor wir anfangen zu essen fassen wir uns alle an den Händen und singen eines der vielen Archelieder. Neben meinen zwei Lieblingsliedern kann ich meistens nur mitsummen, weil ich mir den Text nicht merken kann.  Damit wir auch gleichzeitig anfangen können wird jedem Einzelnen zuvor serviert.  Das bringt ein bisschen Ruhe rein und zeigt auch den Respekt für Jeden.

 

Unsere Woche hingegen verläuft so:  Dienstags ist „Réunion du Foyer“, wo wir uns abends alle bei Tee und Kerzenschein in unsere Sofaecke kuscheln um uns gegenseitig die Neuigkeiten der Woche zu erzählen.  Manchmal wird das aber schon zur Ausdauerprüfung, wenn Anne für 20 Minuten dasselbe erzählt. Bei dieser Réunion ist Daniel allerdings total kleinlaut und flüstert seine Wörter nur vor sich hin, obwohl er sonst immer jedem seine Meinung auf die Nase binden muss.

 

Mittwochs kommt dann der Priester zu einer Messe zu uns nach Hause.  Heute treffen sich die ganzen Freunde der „Branche“(unserem Haus), um mit uns gemeinsam zu beten und anschließend den Abend zu verbringen. Durch diese Bekanntschaften, kann ich sagen, dass meine Schützlinge schon langsam in der Gesellschaft integriert sind.

 

Am Wochenende wird jeden Samstagmorgen erstmal das Haus wieder auf  Vordermann gebracht. Da wird jedes Zimmer gesaugt, gewischt und poliert und Vianney muss wieder mal die ganzen Zeitschriftenschnipsel unterm Bett vorholen.  Im Generellen begleiten wir unsere Schützlinge bloß, damit sie ihre Zimmer saubermachen, was manchmal aber viel stressiger ist, als wenn man es selbst gemacht hätte.  Anschließend besuchen uns dann Bruno und Brigitte (ein Ehepaar von Behinderten)  welche für uns die heiß begehrten Pommes Frites machen.  Belgien ist ja auch der größte Frittenverbraucher der Welt!

 

Nach den Pommes haben wir dann mal endlich Zeit für längere Aktivitäten.  Wir waren z.B. schon auf einem Hundeverkleidungswettbewerb, einem Bootstrip, auf der Sinekeparade…. Diese Parade hatte Wasser zum Thema und machte auf die weltweite Vergrößerung der Wüsten aufmerksam, den übermäßigen Wasserverbrauch der Industrieländer und die Verschmutzung der Meere.  Auf der anderen Seite wurden auch positive Bereiche repräsentiert: Gartenarbeit, Wassersport und auch die Piraten der Karibik.  Obwohl die Parade wunderschön präsentiert war, blieben die Zuschauer sehr gemäßigt mit ihrer Begeisterung.  Ich fand es so schade, dass keiner wirklich mitgetanzt oder mitgesungen hat…  Zum Schluß haben sich dann aber viele vor der „Alten Börse“ versammelt und letztendlich doch einen Riesenlärm gemacht!

 

Vielen Dank noch mal für Ihre/Eure Unterstützung!

Den nächsten Rundbrief werde ich auch eher schicken.

 

Euch allen einen schönen anfangenden Sommer!

Euer Adrian =)


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