Internationaler Christlicher Friedensdienst

EIRENE aktuell

Frieden braucht Begegnung (17.06.2003)

Der Internationale Christliche Friedensdienst EIRENE zieht Bilanz für das Geschäftsjahr 2002

Eckehard Fricke, Projektmitarbeiter Alkassoum und der Koordinator für Niger Christoph van Edig
Am Montag präsentierte EIRENE Geschäftsführer Eckehard Fricke den Geschäftsbericht für das Jahr 2002. Gegenwärtig arbeitet EIRENE in drei großen Bereichen: Freiwilligendienst im Nord- und Ostprogramm, Entwicklungs- und Freiwilligendienst im Südprogramm sowie Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit. Fricke machte deutlich, dass trotz der großen Bandbreite der unterstützten Projekte und der Verschiedenheit der Projektländer in Süd und Nord die Arbeit von EIRENE durch seine Schwerpunkte ein klares Profil hat. Diese Schwerpunkte sind 1. Friedens- und Versöhnungsarbeit, 2. nachhaltige Entwicklung und 3. die Integration und Emanzipation von Minderheiten.

Die Friedens- und Versöhnungsarbeit konzentriert sich derzeit auf die gewaltfreie Konfliktbearbeitung. Dazu gehören die Projekte im Tschad (Mediation zwischen Viehhaltern und Bauern), im Niger (Netzwerk für TrainerInnen in aktiver Gewaltfreiheit) und in Bosnien (multikulturelle Jugendarbeit). Ein zentraler Programmbereich ist der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geförderte Zivile Friedensdienst (ZFD).

Im Gefolge von Kriegen und Bürgerkriegen zerfallen grundlegende Werte des menschlichen Miteinanders. Gegen diese Dehumanisierung des Zusammenlebens will EIRENE in den Projekten positive Erfahrungen in der konstruktiven Bearbeitung von Konflikten stellen.

Nachhaltige, d.h. zukunftsfähige Entwicklung gehört seit langem zum Bestand der Projektarbeit von EIRENE. Entwicklung findet nicht nur im Süden, in den sogenannten Entwicklungsländern statt. Auch in den Industrieländern werden täglich Entwicklungsfragen entschieden, nicht immer im Sinne nachhaltiger Entwicklung. Im Norden arbeiten Freiwillige von EIRENE deshalb in Projekten mit, bei denen es um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft geht, z.B. in der Erhaltung bedrohter Arten im Projekt ecoseeds in Nordirland. Im Süden konzentriert sich das Engagement auf ländliche Entwicklung und hier besonders auf Ressourcenschutz, z.B. in den Projekten KOOKARI im Niger oder ODESAR in Nicaragua.

Eine besondere Rolle hat bei EIRENE immer das Engagement für Minderheiten gespielt, seien es Obdachlose und Flüchtlinge im Norden oder ethnische Minderheiten im Süden. Im Engagement für und mit Behinderten zeigt sich auch hier, dass die Arbeit in Nord und Süd zusammengehört. In Frankreich engagieren sich EIRENE Freiwillige in Arche-Gemeinschaften, in denen behinderte und nichtbehinderte Menschen neue Formen des Zusammenlebens praktizieren. In Rumänien setzen sich EIRENE-Freiwillige für ein menschenwürdiges Leben psychisch Behinderter ein. Im Tschad unterstützt EIRENE Selbsthilfeorganisationen, in der Behinderte für eine rechtliche Gleichstellung kämpfen und lernen, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Nach Jahrzehnten bewaffneter Konflikte im Tschad liegen nun Millionen von Minen im Land verstreut. Auch viele Mitglieder der Selbsthilfeinitiativen wurden durch eine Minenexplosion verstümmelt. EIRENE sieht, dass Hilfe für die Opfer im Süden nur Sinn macht, wenn gleichzeitig die Produktion der Minen im Norden verboten wird. Auch deutsche Konzerne machen mit diesen Waffen ihre Geschäfte. Daher beteiligt sich EIRENE im Inland an der Kampagne gegen Landminen und setzt sich für ein generelles Verbot aller Minen ein.

Im Jahr 2002 hatte EIRENE ein Jahresbudget von ca. 3,1 Millionen EUR zur Verfügung (-4,11% ggü. Vorjahr 2001). Fast 90% davon gingen in die Projektarbeit. Nur 10,50 % gab EIRENE für die Organisation und Verwaltung der Einsätze aus, wobei in dieser Zahl noch ein Großteil der Kosten für die Vorbereitung und Betreuung der Freiwilligen im Nord- und Ostprogramm enthalten sind. Für die Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit und beim Zivilen Friedensdienst erhielt Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln (v.a. BMZ, EU) in Höhe von knapp 1,38 Millionen EUR (-16,88%). Obwohl gerade bei der Unterstützung durch die EU dieser Rückgang beklagenswert ist, beabsichtigt EIRENE im Prinzip, den Anteil öffentlicher Mittel am Gesamtbudget unter 50% zu halten. Deshalb ist der ebenfalls zu beobachtende Rückgang der Spenden in 2002 ein schwerwiegenderes Zeichen. Das gesamte Spendenvolumen erreichte 637 000 EUR (-15,89%). Die Bereitschaft der Spender, die Arbeit von EIRENE zu unterstützen ist jedoch nach wie vor groß. Dies zeigt sich daran, dass die Zahl der Spender konstant geblieben ist. Die durchschnittliche Spendenhöhe ist allerdings -wohl auch aufgrund der hohen Belastungen für die privaten Haushalte- drastisch gesunken. Aufgefangen wurden die Rückgänge zum Teil durch verstärkte Zuschüsse von Kirchen und Hilfswerken (+35,45%) sowie projektgebundene Zuschüsse von Trägern der Entwicklungszusammenarbeit (+35,36%). EIRENE wird von dieser Seite eine hohe Kompetenz und Verlässlichkeit in der Projektarbeit bescheinigt.

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